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(Stefanie Jenneskens)

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Jeder Mensch auf Erden muss erst leben
um zu sterben...
Ein trister, dunkler, finsterer Morgen. Ein Tag voller Regen, Dunkelheit und Einsamkeit. Warum das Ganze? Warum leben? Das Einzige, was ihr von ihm geblieben ist - was er liebte - war dieses eine kleine, abgerissene Blatt seines Zeichenblocks. Ein einziges kleines Bild. Ein Bild voller Leben, ein Bild von ihrer Liebe, ein Bild, welches ihm so viel bedeutet hat, ein Bild, welches er nie zu Ende malen wird?

In tiefer Verzweiflung und voller Wut zerriss sie es, diese Erinnerung daran, dass dieses Bild nicht beendet werden konnte, zeigte ihr, dass auch ihre Hoffnungen und ihre Sehnsüchte, die geplante Zukunft niemals erfüllt werden kann. Ihre Seele war unerfüllt, leer, ein einziges schwarzes Loch. In ihrem Kopf hämmerte es. Wieso nur? Wieso lässt du mich alleine? Allein?allein?

Tränen ließen ihre bereits angeschwollenen Augen aufquellen. Ihr Gesicht verzog sich zu einer einzigen, qualvollen Maske, eine Maske, die sie nicht ablegen konnte. Eine Maske der Trauer. Der Sturm schlug auf sie ein.

Das Wetter konnte den Schmerz nachempfinden, es begann zu fühlen, was sie fühlt, drückte es mit Wut und voller Zorn aus. Energisch, blitzend, weinend?Gefühle, die einander trotzen. Gefühle, die sie nicht abschalten konnte. Gefühle, die ihr Herz zerrissen.

Sie lehnte sich an die nackte Betonwand und ließ sich hinab gleiten. Sie grub ihr Tränenüberschwemmtes Gesicht in ihre Hände. Ihre ganze Kraft verschwand und sie ließ sich fallen, fallen in ihrer Trauer, fallen in ihren Schmerz, fallen in ihrer Wut. Diese schreckliche Daseinspflicht auf Gottes Erden?wenn du, Gott, doch immer da bist, uns ständig umgibst, wo warst du denn, als er dich brauchte? Wo bist du jetzt, wo ich dich brauche? Sie weinte.

Die ganze Nacht über blieb sie wach, bis ihre Kräfte nachließen und ihre Augen keine Tränen mehr hergaben, dann schlief sie ein und träumte von einer anderen Welt, einer besseren Welt, von einer Welt mit ihrem Liebsten, einer Welt, wo es keinen Krebs gab. Doch die farbenfrohe und schöne Welt verwandelte sich in die Realität.

Ein dunkler Tunnel. Er, ihr Mann, stand in der ruhelosen und bedrohlichen Finsternis. Die Dunkelheit packte ihn und zerrte ihn immer weiter vom Licht, immer tiefer in den Tunnel. Sie ergriff seine Hand. Nein, diesmal durfte sie ihn nicht loslassen, sie durfte seine Hand nicht loslassen und nicht im Nichts verlieren.

Sie hat ihn schon einmal verloren, das durfte nicht noch einmal passieren! Eine Welt ohne ihn?das konnte sie sich nicht noch einmal vorstellen. Gänsehaut erschütterte ihre Arme und kroch hoch bis zu ihrem Nacken. Sie ließ seine Hand nicht los, umklammerte sie so fest, als sei es ein Seil an dem sie sich festhalten musste, damit sie nicht die Klippe hinunter stürzte.

Er blieb passiv neben ihr stehen, realisierte sie nicht, sah sie nicht an, ging an ihr vorbei in die Schwärze, ins unerreichbare Dunkel. Er zog sie hinterher, riss sie mit in den Strom der Vergesslichkeit, in den Sog des Todes. Jetzt war er es, der ihre Hand hielt. Er drückte sie so fest, dass sie glaubte, dass ihre Finger abstürben. Sie hechelte nach Luft, er zog sie, immer schneller, immer rasanter.

Sie sah das Licht des Tunnels nicht mehr. Schwarz. Plötzlich umgab sie Wasser. Neben ihr und immer noch ihre Hand haltend: er! Sein Gesicht war leblos, traurig, leer, es drückte keine Gefühle, nicht den Hauch einer Emotion aus. Sie rang nach Luft, wollte auftauchen, doch sie konnte nicht. Sie konnte seine Hand nicht loslassen und er wollte ihre nicht hergeben. Sie musste an die Oberfläche, nach Luft schnappen.

Angst fuhr in jede einzelne Faser ihres Körpers, denn jetzt war es klar, sie musste ihn loslassen um weiter zu leben! Sie musste loslassen und strotzen. Er tauchte immer tiefer. Es war zu spät ihn zurück zu holen, sie musste auftauchen?

Sie fand sich im Wohnzimmer der kleinen Dreizimmerwohnung wieder. Sie lag an der Wand. Ihre Haare wüst, rote Augen und angeschwollene Knochen, durch das Liegen auf dem Boden. Sie drehte sich auf den Rücken und betrachtete die Decke.

Die Faserung des Holzes war überall anders. Sie fing an zu begreifen. Sie begann zu verstehen, dass auch das Leben anders gesprenkelt ist, dass jeder Mensch ein anderes, eigenes und immer wieder neues Muster hat. Ja, so musste sie das Leben verstehen. Unwillkürlich lachte sie, ja solch eine Erklärung hätte dir, Liebster, bestimmt auch gefallen!



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